Der alte Fremdenlegionär – und die lebendige Monstranz!

In Predigten von Bischof Stefan Oster SDBkommentieren

Kurzpredigt zu Fronleichnam 2017

Der alte Fremdenlegionär

Kardinal Schönborn aus Wien hat einmal eine sehr bemerkenswerte Geschichte erzählt von einem alten Russen, den er als junger Mann persönlich gekannt hat; einen Adeligen, der nach den Wirren der russischen Revolution ein Fremdenlegionär wurde. In der Fremdenlegion wurde er Offizier und hatte unter seinen Soldaten einen deutschen Fremdenlegionär, den er als brutalen Typen beschrieb, unsympathisch, grausam, unberechenbar. Es kam, dass dieser Mann in einem Gefecht schwer verletzt wurde, so dass er im Sterben lag. Er ließ seinen Offizier rufen, den Erzähler der Geschichte, den russischen Adeligen. Und dieser ging eigentlich nur widerwillig hin, weil er mit dem Mann sehr negative Erfahrungen gemacht hatte. Zu seiner Überraschung stellte ihm der Schwerverletzte in wohlgesetzten Worten folgende Frage: „Glauben Sie, dass mir Jesus etwas von sich schenken kann?“. Der russische Offizier, der nicht sehr religiös war, fragte zurück: „Was meinen Sie damit?“. Darauf sagte der Verwundete: „Wenn ich jetzt sterbe und mit meinem ganzen schmutzigen Leben vor Gott komme, dann werden die Heiligen auf mich zeigen und ich muss mich schämen und ich kann nicht in den Himmel kommen. Aber wenn Jesus mir etwas von sich gibt, dann können die Heiligen nichts mehr gegen mich sagen.“ Der russische Offizier war verlegen – aber er sagte ihm: „Er wird dir sicher etwas von sich geben“ – Darauf hin sei der Legionär gestorben. Und der Russe hat später gesagt, er habe damals verstanden, um was es im Christentum eigentlich gehe.

 Jesus gibt uns etwas von sich!

Liebe Schwestern und Brüder, wenn wir heute auf die Straße gehen und feierlich unseren Glauben an Christus im Sakrament bekennen, dann geht es genau darum: Jesus gibt uns etwas von sich – und dann können die Heiligen nichts mehr sagen! Weil wir auch dazu gehören! Wir glauben, dass er in seiner Hingabe am Kreuz und in seiner Auferstehung uns alles von sich gegeben hat: Sich selbst.

Eine Monstranz verweist nicht auf sich

Aber die Frage an uns ist: Wie wirkt sich das in uns aus? Vielleicht lässt es sich im Bild der Monstranz sagen, die wir durch die Straßen tragen: Die Monstranz ist ein kostbares, großartiges, künstlerisch und materiell hoch wertvolles Zeigegefäß. Es verweist mit seiner ganzen Pracht, mit allem, was es hat und ist, auf etwas ganz Unscheinbares: Auf ein kleines Stück Brot in seiner Mitte. Auf ein Stück Brot, das für den Glaubenden zum Brot des Lebens geworden ist. Es ist uns im buchstäblichen Sinn Lebensmittel geworden, ein Gegenstand, der uns das Leben selbst vermittelt: Ewiges Leben, die Gegenwart des Gottessohnes in uns und unter uns. Daher ist die Weise, in der eine Monstranz den Leib Christi darstellt, eine Weise, die eben nirgendwo auf sich selbst verweist, sondern mit ihrer ganzen Pracht eben auf die Mitte hinweist, die Mitte hervorhebt – und nichts anderes.

Ein Christ: Lebendige Monstranz

Liebe Schwestern und Brüder, kürzlich habe ich dazu den schönen Gedanken gehört, dass ein gläubiger Christ in gewisser Hinsicht eine lebendige Monstranz ist – oder immer mehr werden kann. Wie ist das gemeint? Wenn wir uns dem Herrn wirklich im Glauben öffnen, wenn wir ihm fortwährend für alles Gute unseren Dank schenken, unser Vertrauen, und immer neu unser liebendes Ja zu Ihm sagen – dann wird unser ganzes Leben nach und nach verwandelt. Dann wird unser ganzes Leben immer mehr Ausdruck dessen, was wir glauben, eben eine Art Zeigegefäß. Denn ein solches Leben eines Christen macht dann deutlich, dass es uns nicht zuerst um uns geht, um unser eigenes Glänzen, um unsere eigene Selbstbehauptung und Darstellung, nicht um unsere eigene Pracht. Sondern einer lebt dann so, dass sein Leben nach und nach ein Verweis wird auf den inneren Grund, aus dem wir Leben –auf die Gegenwart des Herrn.

 Menschen, denen man anmerkt, zu wem sie gehören

Dazu kommt aber:  Der christliche Glaube ist nichts Individualistisches ist, kein Einzelkämpfertum, auch kein spiritueller Egoismus, in dem ich mit meinem lieben Gott allein sein mag. Der Glaube ist der Glaube aller, die zu Ihm gehören, denen er sich schenkt, die er als seine Brüder und Schwestern zusammen führt zum einen großen Organismus, der die Kirche ist, der der Leib Christi ist. Auch unser Gottesdienst ist eine Art lebendige Monstranz, ein einziger Verweis auf Ihn. Und unser Dienst am anderen in der gelebten Nächstenliebe ist Verweis auf Ihn – der sich an uns verschenkt hat. Wir gehen heute also auf die Straßen unserer schönen Stadt und bezeugen einander und der Welt um uns, dass wir zu denen gehören, denen Christus etwas von sich gegeben hat. Zu denen, denen Christus sich selbst gibt, damit wir lebendige Monstranzen werden, Menschen, denen man anmerkt, zu wem sie gehören; Menschen, die mithelfen wollen, dass auch alle anderen Menschen sich nähren dürfen von ihm, vom Brot des Lebens. Amen.

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