Die alte Schlange (Offb 12, 9) … Wie ist das mit dem Bösen? – Vater Unser Teil VI

In Believe and Pray, Glauben erklärt von Pressestelle3 Kommentare

Das Thema des Treffens am 22. März 2015 stand unter dem Titel „Die alte Schlange (Offb 12, 9) … Wie ist das mit dem Bösen?“. Lesen Sie hier die Folien dazu.

Kommentare

  1. Andrea Johanna Lang

    Obwohl mir das „Vater unser‘ seit meinem 5. Lebensjahr vertraut ist und ich es unzählige Male – sicher mal mehr und mal weniger bewusst gebetet habe, erschloss sich mir dieses Gebet in seiner Schönheit, Tiefe und Wirksamkeit erst in den letzten Jahren. Erst seither ’stolpere‘ ich allerdings manchmal über dieses ‚Führe uns nicht in Versuchung‘. Nachdem es nicht ‚Unser aller Vater‘ ist, der uns versucht, er uns vermutlich auch nicht einfach so in eine Versuchung hineinführen würde (er hat UNS ja die Entscheidungsfreiheit gegeben), täte ich mir wahrscheinlich mit einem ‚Bewahre uns vor Versuchung‘ oder ‚Führe und stärke uns in der Versuchung‘ (der wir in zu bestehenden Herausforderungen ausgesetzt sind bzw. in die wir wieder mal durch unsere innere Entfernung von Gott hineintappen) leichter. Fehlt mir noch ein wesentlicher Schlüssel zum Verständnis dieses Satzes od. ‚plag‘ ich mich umsonst durch Wortklauberei mit einer nicht ganz glücklichen Übersetzung herum?
    Danke, falls Sie Zeit finden, mir meine Frage zu beantworten.

    1. Bischof Stefan Oster SDB

      Liebe Frau Lang,
      danke für die Frage: Ein erster Hinweis: Mk 1,12: Jesus wird vom Geist in die Wüste geführt – dort versucht ihn der Satan….
      D.h. auf geheimnisvolle Weise durchlebt Jesus unter der Führung des Geistes, d.h. auch des Vaters – ein Hineingehen an den „Ort“ der Versuchung: Der Vater will es, lässt es zu, dass Satan ihn versucht. Er durchleidet (für uns) alle Abgründe von Versuchungen – nach 40 Tagen des Fastens (Jesus bezieht sich damit auf sein Volk: 40 Jahre Wüstenzeit vor dem Einzug ins gelobte Land, Mose 40 Tage auf dem Berg, ehe er die Gesetze empfängt, Elija: 40 Tage Wüstenwanderung, ehe er bereit/fähig ist, Gott im Säuseln wahrzunehmen). Ganz ehrlich: Ich bin dankbar, dass ER all diese Versuchungen in der Wüste für uns durchlitten hat. Und ich möchte es nicht – oder ich möchte es wenn dann so, dass ich es durchstehen kann – und darin reifer werde.
      Das ist auch der Sinn von 1 Kor 10,13: „Gott ist treu; er wird nicht zulassen, dass ihr über eure Kraft hinaus versucht werdet. Er wird euch in der Versuchung einen Ausweg schaffen, sodass ihr sie bestehen könnt.“ Das heißt: Gott versucht nicht selbst, lässt aber Versuchung zu und gibt uns darin die Gelegenheit zum Training.

      Vgl. auch Jakobusbrief 1,13-14: „Keiner, der in Versuchung gerät, soll sagen: Ich werde von Gott in Versuchung geführt. Denn Gott kann nicht in die Versuchung kommen, Böses zu tun, und er führt auch selbst niemand in Versuchung. Jeder wird von seiner eigenen Begierde, die ihn lockt und fängt, in Versuchung geführt.“
      Oder: Offb. 3:10 „Du hast dich an mein Gebot gehalten, standhaft zu bleiben; daher werde auch ich zu dir halten und dich bewahren vor der Stunde der Versuchung, die über die ganze Erde kommen soll, um die Bewohner der Erde auf die Probe zu stellen.“

      D.h. um Ihre Frage zu beantworten: Es gibt im Grunde zwei Kategorien von Dingen, die geschehen: Das, was Gott will – und das, was Gott zulässt (ohne es ausdrücklich zu wollen). Dennoch kann man damit aber sagen: Es geschieht nichts (!) gegen Gottes Willen. Und damit ließe sich die Bitte vereinbaren, er möge uns nicht in Versuchung führen. Oder auch: Er möge nicht zulassen, dass wir in Versuchung geführt werden….

      Ich würde also die Bitte im Vater Unser nicht verändern wollen, wie es in Italien und Frankreich schon passiert ist.

      Hoffe, das hilft.
      Gruß SO

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