Diözesantag der Pfarrhaushälterinnen

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Liebe Pfarrhausfrauen, liebe Schwestern und Brüder im Glauben,

wie schön, dass Sie ausgerechnet an diesem Festtag Ihren Diözesantag haben. Bei diesem Fest Verkündigung des Herrn steht nämlich mit Maria auch eine Frau im Blick. Im Grunde eine Person, bei der deutlich wird, dass durch sie das Haus, das sie in Nazareth bewohnt, selbst zu einem Tempel wird. Denn der Engel Gabriel kommt zu ihr nach Hause, dorthin, wo sie mit ihrer Familie lebt, vermutlich noch nicht mit Josef, mit dem sie ja zunächst nur verlobt war; sondern vermutlich schlicht in ein Haus, wie es eben die Menschen der damaligen Zeit so hatten. So erzählt es das Evangelium. Und kurz zuvor hatte dasselbe Evangelium erzählt, wie der Engel Gabriel dem Zacharias begegnet ist – nämlich im Tempel in Jerusalem. Dort, wo Zacharias seinen priesterlichen Dienst zu verrichten hatte. Wir kennen die Geschichte: der Zacharias glaubt dem Engel nicht so recht, weshalb sich zwar die Verheißung des Engels über die Schwangerschaft der Elisabeth erfüllt, aber Zacharias selbst ist stumm. Er kann nicht mehr sprechen, bis er später in den Willen Gottes einwilligt und dem Kind den Namen Johannes gibt, das heißt: Gott ist gnädig.

Maria dagegen ist nicht im Tempel, sie hütet das Haus. Und es ist eben dort, wo sie der Engel besucht. In der schlichten, alltäglichen Umgebung ihres Lebens wird sie überrascht durch den Einbruch des Übernatürlichen. Durch den Einbruch der unfassbarsten Nachricht der Menschheitsgeschichte: Gott selbst will durch sie Mensch werden, durch sie und ihre Einwilligung. Das junge Mädchen Maria wird selbst in Person Tempel Gottes. Sie wird der Mensch, der Ort, in dem Jesus menschliche Gestalt annimmt. Sie wird die Mutter eines Menschenkindes, das zugleich Gott ist. Sie ist der Anfang von etwas Neuem in der Menschheitsgeschichte, sie ist der Anfang der Kirche, der Anfang der Einwohnung Gottes in seiner neuen Familie, in seiner Kirche.

Liebe Pfarrhausfrauen, Sie leben und/oder arbeiten in einem Haus, in dem derjenige lebt und seinen Dienst tut, der für eine Pfarrei in besonderer Weise Jesus repräsentiert. Durch den Priester und sein Leben und Handeln in der Gemeinde, wird Jesus gegenwärtig. Er vertritt ihn und durch ihn handelt Jesus in der Vergegenwärtigung des eucharistischen Geheimnisses, in der Vergebung der Sünden in der Beichte, in der Spendung der Sakramente, in der Verkündigung des Wortes Gottes, in seinem Dienst am Menschen. Aber ein Priester ist dennoch nur ein Mensch, ein Mensch, der für diesen Dienst im Grunde nicht würdig ist. Und zwar deshalb, weil er anders als Jesus selbst, ein Sünder ist. Auch der Bischof ist ein Sünder und auch der Pfarrer und der Bischof haben immer neu Umkehr und Beichte nötig. Insofern ist unser Dienst eigentlich eine Überforderung. Wir wissen, dass wir nicht aus uns selbst, nicht aus eigener Kraft im Sinne Jesu handeln können. Wir brauchen immer neu ihn und seine Kraft, wir brauchen seine Gegenwart und das Leben in seiner Gegenwart, besonders das innere Leben.
Als Pfarrhausfrauen nun können Sie ihren Teil dazu beitragen und Sie tun es längst, dass es dem Pfarrer einfach als Mensch passabel geht. Er wird von Ihnen versorgt, er hat menschliche Ansprache und Sie tragen einen enormen Teil dazu bei, dass im Pfarrhaus eine angenehme, eine menschliche Atmosphäre herrscht. Sie sorgen also für die Bedingungen. Die meisten von Ihnen wissen, dass ich selbst in einer Art Wohngemeinschaft lebe. Und ich bin heilfroh, dass meine Mitbewohner Interesse daran haben, dass der Bischof einigermaßen versorgt ist. Das Kochen übernehmen im Grunde immer die Mitbewohner. Aber sie haben auch Interesse daran, dass unser Haus ein geistliches Haus ist, ein Haus, in dem intensiv gebetet wird, in dem der Glaube lebendig ist – auch in unseren Gesprächen bei Tisch. Ich bin sehr dankbar für diese menschliche und geistliche Unterstützung und weiß, was es wert ist, als Priester und Bischof auf diese Weise mitgetragen zu sein.

Neben einigen anderen geistlichen Übungen beten wir auch täglich miteinander den Engel des Herrn und erinnern uns an das, was wir am heutigen Festtag feiern. Und wir beten darum, dass unser Haus, unsere Wohnung ein Ort des Menschlichen sei, aber in der Weise, dass das Übernatürliche, dass der Glaube, dass der Geist Gottes darin auch immer mehr seinen Ort finde. Manche von Ihnen wird auch mit dem Pfarrer beten, manche auch nicht. Das hängt immer von persönlichen Verhältnissen ab. Aber eines lege ich Ihnen sehr ans Herz: Beten Sie in jedem Fall für den Pfarrer oder den Seelsorger. Beten Sie auch für die Haupt- und Ehrenamtlichen und für die ganze Pfarrei. Sie sind Teil des Herzstückes einer Pfarrei, von Ihrem Haus geht viel aus, ob man es wahr nimmt oder nicht.

Und so wünsche ich Ihnen allen von Herzen, dass auch Sie in den Häusern, in denen Sie leben, daran mitwirken können, dass im Haus eine menschliche und zugleich eine geistliche Atmosphäre herrscht. Dann geht vom Pfarrhaus der Segen aus. Von Herzen danke ich für jeden Dienst, den Sie für den Pfarrer, den Kaplan tun, für die vielen Dienste auch, die Sie sonst noch für die Pfarrei und für die Menschen in ihr tun. Sie sind eine sehr wichtige und von mir und vielen anderen hoch geschätzte Berufsgruppe unseres Bistums. Gott segne und schütze Sie alle. Amen.

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