Die Kunstwerke Gottes – Predigt zu Allerheiligen 2017

In Audio, Predigten von Bischof Stefan Oster SDBkommentieren

 

When the saints…. Wenn die Heiligen einmarschieren und vor Gott jubeln – dann wollen wir dabei sein, als Gottes Kunstwerke. Unten der Link zur Audiodatei.

Und falls jemand die Rede vom „stinknormalen Leben“ darin missverstanden hat (und tatsächlich ist sie in der Kürze der Erwähnung missverständlich), unten ein kurzer Dialog, der darüber auf Facebook entstanden ist – und der erläutert, wie es gemeint ist.

Die Frage einer Gottesdienstbesucherin lautete:

Danke für die schöne Predigt! Dummerweise geht es mir meistens so: Je mehr man vom Glauben zu wissen meint, umso mehr Fragen tun sich auf. Und dann ist es echt schön, wenn man hin und wieder mal etwas in einer Predigt oder in einem Vortrag erklärt bekommt. Manchmal ist es auch nur ein simpler Satz, der bewirkt, dass man eine Stelle im Evangelium besser versteht und dann einfach gern hat. Auch kann es sein, dass man sich im Leben ewig Gedanken über etwas macht, das man vernünftigerweise eigentlich schon längst abgehakt haben sollte. Es ist sonderbar, dass dann manchmal eine ganz einfache Erklärung vieles lösen kann. Und erklären können Sie, sehr geehrter Herr Bischof, echt anschaulich, gut und meist mit viel Geduld. „Um klar zu sehen, reicht oft ein Wechsel der Blickrichtung.“ (Antoine de Saint-Exupery) Herzlichen Dank dafür! Was mich aber bei Ihrer heutigen Pedigt irritiert hat, war der Satz, dass Menschen, die im Glauben nicht so tief drinnen sind, nur normale, stinknormale Menschen sind. Krasse Aussage! Deshalb eine bewusst provokative Frage: Haben Sie Menschen, die nicht so tief im Glauben stehen, wirklich mit dem Herzen erkannt? Oder urteilen Sie selbst hier ausnahmsweise mal von außen, vom Beobachterstatus? Ich jedenfalls bin überzeugt, dass nie jemand nur stinknormal ist, dass jeder einzigartig und unverwechselbar ist, dass jeder seine besonderen Fähigkeiten, Charismen, Stärken und Schwächen besitzt. Es ist nicht nur eine schöne Geschichte, wenn wir bei Mt oder Lk lesen, dass bei uns sogar die Haare auf dem Kopf gezählt sind. Jeder Mensch ist ein Geschöpf Gottes oder – mit Ihren Worten – ein Kunstwerk Gottes. Für Gott ist jeder Mensch wertvoll. Augustinus meint: “ Gott liebt dich so sehr, als wärst du der einzige Mensch auf der Welt.“ Für Jesus ist kein Mensch nur stinknormal – egal ob er weiter drinnen oder weiter draußen im Glauben steht. Und auch bei uns darf es nicht so weit kommen in dieser Weise zu urteilen, da wir mit solchen Aussagen den einzelnen Menschen in keinster Weise gerecht werden. Liebe Grüße!

 

Meine Antwort darauf:

Danke für den Hinweis. Nein, das war wirklich ein Missverständnis. Und so wie Sie mich zitieren, habe ich es sicher nicht gesagt. Tut mir leid, wenn es so verstanden wurde, daher auch bitte Vorsicht beim vermeintlichen Zitieren! Es geht in dem Gedanken, den ich geäußert habe, darum, dass wir den eigentlichen Sinn, die Tiefe, die Schönheit unseres Lebens im Grunde nicht ohne Christus entdecken können. Seinen Weg vor Ihm gehen und werden, wer wir im Innersten sein können – geht aus unserer Sicht nicht ohne ihn. Und wenn wir dort nicht hinfinden, neigen wir dazu, in einem „stinknormalen Leben“ zu „versauern“ – weil wir dazu neigen, das für das Wichtigste halten, was die Welt für das Wichtigste hält: Besitz, Erfolg, Ansehen, Macht etc. Wir werden dann tendenziell eher Massenware als eben seine Originale. Sie kennen den Satz: „Wir alle werden als Originale geboren und enden meistens als lauter Kopien“!? Das ist gemeint. Von seinem Geschaffen-sein her ist ausnahmslos jeder Mensch Person, von unersetzbarer Kostbarkeit – und das ist ganz wichtig betont zu werden, da haben Sie Recht – und völlig selbstverständlich. Und jeder bleibt es im Grunde auch – und jeder bleibt auch so geliebt, wie Augustinus sagt. Und ja, wir Christen haben die Aufgabe, jedem Menschen mit diesen Augen sehen zu lernen. Auch sehen zu lernen, was in ihm noch stecken könnte. Sie als Pädagogin wissen das besonders. Ich habe nie etwas anderes gesagt. Und von außen hat zB. Bruder Konrad ein sehr armes, vielleicht allzu „normales“ Leben geführt, von innen aber unglaublich reich. Wir sind von Christus her dazu geboren und gemacht, immer mehr seine Originale zu werden – und nicht Abziehbilder von irgendwas oder irgendwem, eben einfach nur „normal“. Wir sind zu mehr und größerem berufen. Jeder und jede. Und ja, so was geht auch in einem äußerlichen Leben, das die Welt für „stinknormal“ oder für ganz „klein“ hält – wenn wir mitten darin unseren Weg mit Ihm finden. Ist es klarer so? Aus dieser Perspektive war es gesprochen: Helfen wir dem Hl. Geist, das aus uns werden zu lassen, was er in uns hinein gelegt hat? Oder führen wir ein stinknormales Leben, das dieses Leben mit Gottes Geist verhindert. Mir geht es darum, den wirklichen Unterschied zu betonen und erkennen zu lassen, welches Abenteuer Gott aus unserem Leben macht, wenn wir uns auf das einlassen, wozu wir von ihm gemacht sind – jedenfalls nicht für bloße Banalität und dem Nachjagen nach Zielen, die es nicht wert sind, ihnen nachzujagen. Aber Sie haben vermutlich Recht mit Ihrem Hinweis: denn jetzt wo ich es schreibe, merke ich, dass es wirklich leicht missverstanden werden kann. Und schließlich noch was: Ja, Christus macht den Unterschied in alledem – einen buchstäblich himmelweiten!

 

 

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