Nur anständig? Oder: Feuer und Heiliger Geist!

In Predigten von Bischof Stefan Oster SDB3 Kommentare

Wenn auch bei jeder Firmung anders gesagt, so war dieser Text unten Vorbereitung und Grundlage für die Firmpredigten in diesem Jahr.  Schrifttexte: Apg 19,1b-6a; Mt 3,1-17 (Das Bild ist von der Firmung in Kirn im Pfarrverband Ering)

Liebe Firmlinge,

diese Texte aus der Bibel sind eine richtige Herausforderung für uns. Ich will euch die Sache mit Johannes dem Täufer nochmal erzählen. Irgendwie muss das ein besonders eindrucksvoller Mensch gewesen sein, ein Mann mit einer großen Ausstrahlung und innerer Kraft, ein Mann, der Menschen bewegen konnte und vor allem war er ein Mann Gottes. Ein Mann, der innerlich tief mit Gott verbunden gelebt hat und deshalb gespürt hat, er muss in die Wüste hinaus gehen, aber dort in die Wüste, wo trotzdem ein Fluß fließt, der Jordan. Und dieser Jordan hatte eine ganz tiefe symbolische Bedeutung für die Menschen in Israel, für das ganze Volk. Der Jordan war nämlich der Fluss, durch den sie nach dem Auszug aus Ägypten in ihr Land gekommen sind, eben nach Israel, ins gelobte Land, in das Gott sie geführt hat. Sie sind dabei trockenen Fußes durch den Jordan gezogen. Gott hat hier ein Wunder gewirkt, wie am Roten Meer. Und dorthin, an den Jordan geht Johannes jetzt, um die Israeliten zu taufen? Warum? Er will, dass sie sich waschen im Jordan, und dass sie sich so wieder auf ihre Wurzeln besinnen. Sie sind ein Volk, das von Gott geführt wird und das zu Gott zurückfinden soll. Jeder Mensch von uns, wir alle und auch ihr junge Menschen, wir alle haben so oft keine Lust auf Gott, auf Gebet, auf Kirche. Jeder Mensch hat in seinem Herzen etwas, was ihn gegen Gott sein lässt, einfach weil er meint, es ist langweilig oder Gott will ihm vielleicht etwas nicht gönnen, oder Gott nimmt ihm etwas weg. Es gibt in unserem Herzen eine Seite, die läuft gerne vor Gott weg und kümmert sich erstmal um sich selbst, um das eigene Ich, das Ego. Meine Lieben, das kenne ich auch, das kennen vermutlich wir alle.

Mehr als die ganze Welt?

Aber wenn man das lange im Leben macht, dann sagt unser Glaube, dann rennen wir wirklich weg vom Leben, von Gott, der die Quelle des Lebens ist. Diese Welt ist wunderschön, sie hat so viel zu bieten, aber sie gaukelt uns manchmal vor, dass sie alles ist. Und das Internet gaukelt uns vor, dass es mehr als alles ist. Und viele Genüsse und Lüste gaukeln uns vor: Wenn du das hast, dann hast du alles und mehr. Aber, meine Lieben, mehr als alles ist nur Gott. Nur Gott kann in unserem Herzen etwas erfüllen, was es auf der ganzen Welt nicht gibt. Aber dafür brauchen wir eben auch Glauben, dafür brauchen wir von innen her die Kraft, die uns hilft, wieder zu beten, die uns hilft, die Bibel zu lesen und zu verstehen, oder in die Kirche zu gehen oder ganz besonders: den Menschen einfach deshalb zu helfen, weil sie auch Kinder Gottes sind, Kinder unseres Vaters. Für all das brauchen wir den Heiligen Geist, den ich euch heute zusprechen darf in der Firmung.

Aber zurück zu Johannes in die Wüste. Johannes spürt also, dass ganz viele Menschen in seinem Volk Israel nicht mehr mit Gott leben, dass die auch alles Mögliche treiben und sich ablenken lassen und sich vor allem für Geld oder Politik vieles mehr interessieren, aber nicht für den, der dieses Volk erschaffen hat, der es aus Ägypten befreit hat, der ihnen dieses wunderbare Land geschenkt hat. Und nun ruft Johannes zur Umkehr, er erinnert sie daran, wo und wie sie hergekommen sind, hier am Jordan. Und er tut es auch, weil Israel lange, lange schon auf den wartet, den die Bibel Messias nennt, den Gesalbten. Einen Menschen, der von Gott kommen sollte und der sie mit Gott versöhnen sollte und der ihnen Heil bringen sollte, umfassendes Heil. Irgendwie lag diese Ahnung bei ganz vielen Menschen in der Luft, dass er kommt. Und die Menschen haben nun überlegt, ob dieser wilde Johannes, der da in der Wüste lebt und vom wilden Honig und Heuschrecken lebt, und so unerschrocken und anziehend predigt, ob der vielleicht der Messias sein könnte. Aber Johannes steht am Jordan und sagt, er ist nur der Vorbereiter, er bereitet einem anderen den Weg, einem dem er nicht mal Wert ist, die Schuhe aufzubinden.

Taufe mit Feuer und Heiligem Geist!

Die Leute fragen Johannes, wie sie sich selbst vorbereiten sollen und er gibt ihnen Hinweise: Zum Beispiel den Soldaten sagt er, sie sollen niemanden misshandeln und erpressen. Die Zöllner fragen ihn, was sie tun sollen und er sagt: Verlangt nicht mehr Zoll als festgelegt ist, bereichert euch nicht auf Kosten anderer. Und andere, normale Leute fragen Johannes auch, was sie tun sollen, und er sagt: Helft den Armen, gebt ihnen von eurem Essen und euren Kleidern, wenn ihr selbst zuviel davon habt. Kurz und gut: Johannes erklärt den Leuten einfach, wie man anständig lebt. Aber, sagt Johannes, das ist meine Lehre, wie ich es verstehe, aber ich taufe nur mit Wasser. Als Symbol für das Waschen, für das Sauberwerden und Neuwerden. Aber nach mir kommt einer – und jetzt kommt es – der tauft Euch mit Feuer und mit Heiligem Geist. Der sagt von sich, er macht alles neu, der sagt von sich, er gibt uns ein neues Herz. Auf den will Johannes vorbereiten.

Das heißt, meine Lieben, Jesus bringt uns nicht einfach bei, was anständig ist, sondern der zeigt uns, wie einer lebt, der wirklich erfüllt ist von Liebe, von Freude, von einem Leben, das aus Gottes Geist lebt. Ein solcher Mensch ist nicht einfach nur anständig, sondern wenn er mit Jesus geht, dann kann er zu einem Menschen heranwachsen, der mehr als anständig ist, zu einem Menschen, bei dem man spürt, der lebt mit Gott, der kennt Jesus, der liebt ihn, der ist voll Geist, also begeistert, der hat Feuer. Aber, meine Lieben, das, wovon ich spreche, das muss nicht immer laut sein oder spektakulär, und schon gar nicht äußerlich. Ich kenne auch Menschen, die leben ganz still, in der Verborgenheit fast, aber wenn man mit ihnen spricht, dann spürt man ein Strahlen von innen, dann spürt man Geist, Licht, Feuer.

Es hat was mit Deinem Herzen zu tun, mit dem, was Dir im Leben am wichtigsten ist. Der Heilige Geist, den Dir Jesus schenkt, der will dir helfen, nicht einfach nur anständig zu werden, sondern ein Mensch mit einem großen, weiten, tiefen Herzen – ein Herz, in dem Gott wohnt und Platz hat, ein Herz, das von Gott ausgefüllt ist. Und weißt du, was das Geheimnis ist: Wenn Dein Herz nur von Deinem Ego ausgefüllt ist, von einem Ich-will haben, dann hat niemand anderer darin wirklich Platz, aber wenn Dein Herz von Jesus ausgefüllt ist, dann haben ganz viele andere darin Platz. Gott will Dein Herz tief und groß und weit machen. Und er will, dass Du stark bist, nicht stark im Sinn von dicken Muskeln, sondern stark im Sinn von: Ich weiß wirklich zu wem ich gehöre, auch dann, wenn es schwierig ist im Leben.

Ehrlichkeit ist gefragt: Willst Du trainieren?

Und jetzt ist die Frage, bei der wir ehrlich miteinander sein müssen. Richtig ehrlich. Wisst Ihr, der Heilige Geist, der ist Liebe und Glut, die Feuer werden kann in uns. Aber die Liebe zwingt nicht, nie. Sie kann nur werben, sie kann dich nur berühren, aber du musst entscheiden, ob du mitgehen willst, ob du dich berühren lassen willst. Es wird in deinem Leben viele Impulse geben und von vielen wirst du auch berührt werden. Und du weißt, dass es oft nicht gute Impulse sind. In uns allen gibt es die Neigung zum Neid und Zorn und Egoismus und Getratsche, zur Sucht, zur Bequemlichkeit, zum Übermaß beim Essen und Trinken und vieles andere. Alles das gibt es auch in mir. Und alles das hat nichts mit dem Heiligen Geist zu tun. Der Heilige Geist will Dich tiefer machen, in die echte Freude führen, in die Geduld, in die Freundlichkeit, in die Liebe, ins Echte.

Aber das Problem ist: Ich muss mit ihm mitwirken. Es ist wie ein Impuls zum Fußballtraining zu gehen: Eigentlich machst Du es gern, aber wenn Du dran denkst, dass da auch das Warmlaufen und das Konditionstraining dazu gehören, dann gibt es die Seite, die sagt: Nein, bleib lieber auf der Couch liegen und surfe mit der Fernbedienung herum und iss Deine Chipstüten leer. Und wenn es nun auch bei Gott, Glaube, Kirche so ist, dann wird es nichts werden mit dem weiten, neuen, tiefen Herzen. Dann bleibst Du auch da träge auf der Couch. Also, nochmal Ehrlichkeit, meine Lieben: Wir wissen alle, dass viele Firmlinge am Tag ihrer Firmung zum letzten Mal in der Kirche waren für die nächsten Jahre. Das, ich sage es ehrlich, ist ein schlechter Umgang mit dem Sakrament, ein schlechter Umgang mit dem Heiligen Geist.

Mehr als anständig!

Unser Herz hat ihn schon, er wohnt in uns. Aber unser Herz braucht Training, es braucht unsere Mitwirkung. Der Geist will sich tief in unser Herz einsenken und alles ausfüllen – und das geht nicht, ohne, dass wir da mithelfen. Denn er liebt unsere Freiheit, er hat sie uns geschenkt. Daher: Denk dran, was die Perspektive ist: Wenn Du im Glauben bleiben willst, wenn Du mit Jesus tiefer befreundet sein willst, dann pflege dieses Geschenk, dann komm immer wieder in die Kirche zurück, dann bete jeden Tag zu Jesus, dann tu Gutes, das mehr ist als nur anständig; zum Beispiel für einen Menschen da sein, den sonst gar keiner mag aus Deiner Umgebung. Das ist schon mehr als anständig. Und so wird der Geist Dir helfen, dass der Glaube wächst, dass das Herz wächst. Und so wirst Du in der inneren Freude bleiben – auch dann noch, wenn in Deinem Leben was Schlimmes passiert. Der Glaube trägt uns und Jesus bleibt bei uns. Immer. Ich wünsche Dir deshalb heute, am Tag Deiner Firmung die Freude, das Vertrauen auf Jesus, die Tiefe, das weite große Herz. Auf dass Du immer mehr ein Mensch wirst, der weiß, zu wem er gehört. Und dafür erbitte ich nun den Hl. Geist, dass er Dich im Sakrament der Firmung stärken möge für Dein ganzes Leben. Amen.

 

 

 

Kommentare

  1. Johannes Schäfer

    „Diese Welt ist wunderschön, sie hat so viel zu bieten, aber …..“ –
    – Warum denn dann der Apostel sagt:
    … Jesus Christus, der sich für unsere Sünden hingegeben hat, um uns aus der GEGENWÄRTIGEN BÖSEN WELT zu befreien, … Gal 1,4 ?

    1. Autor
      Bischof Stefan Oster SDB

      Lieber Johannes Schäfer, ja, diese Welt ist wunderschön, weil Gott sie so geschaffen hat. Gen. 1:31: „Gott sah alles an, was er gemacht hatte: Es war sehr gut.“
      Durch den Sündenfall wird die Schöpfung korrumpiert aber nicht durch und durch. Sie trägt bleibend Spuren der Schönheit und Herrlichkeit ihres Schöpfers in sich. Gott hat auch unsere Freude an ihr geschaffen, er ist die Wahrheit und unsere Sehnsucht nach Wahrheit und Schönheit führt über die Schönheit seiner Geschöpfe zu ihm. Das ist unser Weg. Ja, die Welt ist zugleich böse geworden, aber: „So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einzigen Sohn dahin gab.“ (Joh 3,16) Wir müssen also auch lernen, diese Zweideutigkeit zu unterscheiden. Gruß SO

  2. Johannes Schäfer

    Sehr geehrter Herr Bischof,
    aus tiefem Respekt zu Ihrem Amt werde ich auf weitere Diskussion zu diesem Thema verzichten.
    Mit Dankbarkeit und herzlichen Grüßen
    Johannes Schäfer

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