Geschieden und wieder verheiratet – Ein sehr persönliches Zeugnis über einen beschwerlichen Weg in der Kirche

Eine mir bekannte Person hat mir die folgenden, sehr persönlichen Zeilen über die Thematik der Menschen geschrieben, die in der Kirche nach einer ersten Ehe erneut in einer Partnerschaft leben – aus der Sicht eigener Betroffenheit. Sie ist mit der Veröffentlichung einverstanden, möchte aber ihren Namen nicht genannt wissen – auch um ihr persönliches Umfeld zu schützen. Ich bin sehr dankbar und beeindruck von diesem Mut zur Ehrlichkeit – vor sich selbst, vor Gott und seiner Kirche.

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Lange Zeit dachte ich, es ist alles gut.
Nach einer sehr schmerzhaften Trennung vom Vater meiner älteren Kinder, bin ich sehr schnell zur Einsicht gekommen: Es war das Beste für uns alle! Diese Einsicht hat mir und auch meinen ehemaligen Mann geholfen, die Scheidung und die Zeit danach, für uns beide und auch für die Kinder so gut  es nur ging zu verarbeiten. Dafür war und bin ich sehr dankbar, dass wir das damals so gut geschafft haben.

Nach einigen Jahren lernte ich meinen Mann kennen. Er gab mir von Anfang an das Gefühl: Da bist du zu Hause. Und das ist bis heute so.

Als wir standesamtlich heirateten, war das sehr bewusst und für beide die Entscheidung füreinander: „In guten wie in schlechten Zeiten, bis der Tod uns scheidet“, auch ohne den Segen Gottes.

In der folgenden Zeit engagierte ich mich in einigen kirchlichen Ehrenämtern. Auch der Kommunionempfang für Wiederverheiratete war bei uns in der Heimatpfarrei kein Tabu. Wie gesagt „Alles war gut!“

Bis zu dem Zeitpunkt, als mich die Ablehnung zu einem kirchlichen Ehrenamt, aufgrund meiner Lebenssituation, völlig aus der Bahn warf. Ich, die Gute (so dachte ich damals) fühlte mich plötzlich abseits, irgendwie nicht mehr willkommen in der Kirche. Und keiner (auch kein Priester) konnte und wollte mir erklären warum.

Ich zog mich  von der Institution Kirche und vom Pfarrgemeindeleben zurück. Und Niemand schien es aufzufallen. Durch die Wut über diesen Ausschluss entfernte ich mich auch immer weiter von Gott.
Nur die Sehnsucht nach Gott und Jesus Christus, die war immer da. Als ich im Rahmen eines Einkehrwochenendes die Aussprache mit einem Priester suchte, sagte ich das erste Mal (und das überraschte mich damals selbst): „Ja, ich habe gegen ein Gebot Gottes verstoßen!“ Das war, so glaube ich, der erste Schritt zur Heilung. Heute hab ich das Gefühl (und das wurde mir erst jetzt klar), dass das der Moment war, in dem ich mich wieder Gott zugewandt hab, und er hat seine Hände ausgebreitet um mich zu empfangen.

In der folgenden Zeit schenkte der Herr mir Begegnungen mit Menschen, Einsichten, Erkenntnisse, aber ich hatte auch viele Rückschläge. Bis ich vor knapp zwei Jahren die freiwillige Entscheidung getroffen hab, nicht mehr aktiv die hl. Kommunion zu empfangen.
Mein Gedanke dahinter: `Wenn ich mir bewusst bin, dass ich gegen das Gebot: „Du sollst nicht ehebrechen“ verstoße, ich daran nichts ändern kann und will, dann muss ich dieses Opfer bringen -aus Respekt vor dem hl. Sakrament der Ehe, und der Heiligkeit der Kommunion.
Hinzu kommt, dass ich meinen Kinder vermitteln will: Das „Ja“ zweier Menschen füreinander vor Gott ist heilig und endgültig. Ob es ankommt bei ihnen? Ich hoffe es!

In der Praxis war und ist das ein „Spießrutenlauf“. Es ist ja wie ein öffentliches Schuldeingeständnis. Von meinem Umfeld hör ich so Sätze wie: „Geh lass dich doch nicht einschüchtern von der Kirche!“ „Du warst ja gar nicht schuld an der Scheidung!“
„Das ist doch ein überholtes Verbot in der heutigen Zeit!“ usw. Es fällt mir immer noch schwer, öffentlich dagegen zu argumentieren. Im Herzen weiß ich, dass die Enthaltsamkeit richtig und heilsam für mich ist.

Es ist wie Heilfasten: Es fällt am Anfang sehr schwer. Aber nach und nach gehen in Gedanken Türen auf. Es eröffnen sich mir Erkenntnisse die ich sicher noch mit einem Seelsorger aufarbeiten muss und ich hoffe auf die Barmherzigkeit Gottes, dass er mir  meine Schuld vergibt.
Nach meinem menschlichen Empfinden, ist unsere Ehe und unser Leben, seit knapp zwanzig Jahren, sehr gut.
Meine größte Sehnsucht wäre, dass ich einmal dieses „Ja“ von Gott zu meinem Leben mit meinem Mann und meiner Familie, so wie sie jetzt ist, in meinem Herzen spüren würde.
Ich weiß, wenn ich diesen Weg im Vertrauen mit Jesus gehe, dass alles gut wird, wie auch immer. Es ist ein Weg!

Was ich mir von der Kirche wünsche:

Bitte liebe Seelsorger, bitte liebe Ortpfarrer geht auf die Betroffenen aktiv zu. Sprecht sie an. Habt den Mut, das Thema auch in der Pfarrgemeinde anzusprechen. Ich habe mich in diesen beschriebenen Jahren sehr allein gefühlt. Da war kein Priester, der mal gefragt hätte: „Warum kommen Sie nicht mehr zum Gottesdienst?“ und „Warum ziehen Sie sich aus dem Pfarrgemeindeleben zurück?“
Und auch jetzt ist da keiner, der fragt: „Warum gehen Sie nicht mehr zur Kommunion?“ Da müssen doch bei einem Seelsorger alle „Alarmglocken“ läuten.

Warum ich das schreibe?

Ich spüre bei vielen Geschieden Wiederheirateten eine gewisse Selbstherrlichkeit (kenne ich sehr gut von mir). Ich würde sehr gerne ermutigen, einfach einmal das Gespräch mit einem guten Seelsorger zu suchen, jemanden der einem wirklich begleitet und der diese Lebenssituation ernst nimmt und zu dem man Vertrauen hat. Der Weg lohnt sich, das kann ich mit Bestimmtheit und mit großen Vertrauen auf Gott sagen.